Ich hätte durchaus noch eine Weile in Kirkeham bleiben können denn dieser Ort ist einer meiner Highlights. Die Wanderungen sind schön, der Ort ist schön und das Restaurant ist gut, wenn man nicht gerade Fisch und Chips nimmt. Aber ich wollte weiter in Richtung Süden. Deshalb bin ich am nächsten Morgen bei leichtem Wind in Richtung Farsund aufgebrochen. Farsund wurde mir empfohlen, da es wohl im letzten Jahr zum schönsten Yachthafen oder zur schönsten Marina Norwegens gewählt wurde. Die Segelei dorthin bei leichten bis mittleren Winden war entspannt. Zum Teil musste ich sogar Motoren. Die Passage von Lindesnes Leuchtturm, eigentlich berüchtigt, war unkompliziert. Farsund war auf den ersten Blick nicht besonders spektakulär. Die Stege waren ok, die Hafeninfrastruktur modern und sauber, und man hat mit App die üblichen 250 norwegischen Kronen für Liegeplatz, Strom und Duschen bezahlt. Da für den nächsten Tag wenig Wind angesagt war, bin ich einen Tag länger geblieben und habe mit meinem Bordrad eine kleine Radtour in einen zauberhaften Ort, an dem ich vorbei gesegelt bin, gemacht. Dieser Ort heißt Loshamn. Übersetzt bedeutet das Lotsenhafen. Das wsrcer wohl auch für viele Jahre. Er liegt an der Ausfahrt zum Skagerrak. Vor ca. 150 Jahren, als Norwegen schon mal eine Blockade, ich glaube auch durch die Engländer, vielleicht aber auch durch die Dänen, erfahren hat, wurden an die lokalen Seeleute kaperbriefe vergeben. Das führte dazu, dass er dem Ort mit geschätzt 50 Häusern 64 offizielle Kaperbiefe vergeben wurde, sodass dieser Ort ein reines Seeräubernest war. Heute ist davon nichts mehr zu merken, es zeigt sich ein hübsches norwegisches Hafenstädtchen mit lauter weiß gestrichenen Holzhäusern, außerordentlich pittoresk.
Auf dem Weg zum Meer, Röttchen, kommt man mit dem Radl an einer riesengroßen Aluminiumhütte vorbei, die eigentlich gar nicht in die Landschaft passt. Norwegen verfügt aber über wohl sehr viel elektrischen Strom aus Wasserkraft und Windkraft, sodass die Aluminiumverhütung hier wirtschaftlich sinnvoll betrieben werden kann. Führt nur leider dazu, dass man beim Vorbei radeln fast keine Luft bekommt, da die Verhütung von Aluminium noch mit einigen Emissionen verbunden ist
Auf dem Rückweg bin ich dann noch am Industriehafen vorbeigeradelt, wo Bohrinselversorger vieler Generationen lagen. Einige davon mit eindrucksvollen runden Bügen, die bis zur Brücke hoch gezogen waren.
Am nächsten Tag bin ich bei Regen und dann doch auch wieder Nebel in Richtung Mandal weiter gesegelt. Die Segelei war bis auf den Nebel unspektakulär. Dank der Orca Navigation, die sowohl mein eigenes AIS als auch das aus dem Internet über Vessel Finder integriert hat, waren auch im Nebel die meisten Schiffe um mich herum zu erkennen, lange bevor ich sie wirklich gesehen habe. Das ist einigermaßen beruhigend.
Vor der Abfahrt wollte ich mir ja ein Radar installieren, um genau in solchen Situationen zu erkennen, was um mich herum geschieht, aber das halte ich jetzt nicht mehr für zwingend erforderlich.
Mandal wurde mir als hübsches Hafenstädtchen empfohlen und ich hatte es auf der Hinfahrt ausgelassen. Also habe ich mich ziemlich darauf gefreut.
Es gab aber gleich einen Dämpfer bei der Einfahrt nach Mandal lag ein Kreuzfahrtschiff, zwar nicht das größte, das ich auf der Reise gesehen habe, aber dennoch ein Kreuzfahrtschiff vor Anker. Im Ort selber waren gerade Aufbauarbeiten für das Mandal Seafood Festival auf der Nordseite des Mandal Flusses und Aufbauarbeiten für einen großen Rummel auf der Südseite des Flusses. Das Festival sollte morgen losgehen und für drei Tage anhalten. Deshalb war es auch einigermaßen schwierig, einen akzeptablen Liegeplatz zu bekommen. Da sich die Motorbootfahrer meistens nicht an die empfohlenen 5-Stunden-Kilometer im Hafenbereich halten, war der Liegeplatz, den icg erwischt habe sehr unruhig. Auch wurden am Abend auf den neu aufgebauten Bühnen Soundchecks durchgeführt, die nichts Gutes für die nächsten Tage verhießen.
Ich habe dennoch eine kleine Exkursion durch Mandal gemacht und finde auch, dass es ein ganz nettes Örtchen ist. Aber mit der riesen fressmeile auf der einen Seite und dem Rummel auf der anderen Seite des Flusses war es aktuell nicht so sexy. Da entschied ich mich trotz schlechter Wettervorhersage, gleich am nächsten Tag weiter in Richtung Kristiansand and zu segeln.
Am frühen Morgen habe ich dann die Leinen losgemacht und bin bei ziemlich intensivem Wind aber gutem Wetter in Richtung Kristiansand losgesegelt. Es gab die Option, den geschützten Weg zwischen den Schären zu wählen oder über das offene Wasser zu segeln. Da der geschützte Weg zwischen den Schären jedoch sehr viele Segelmanöver erfordert hätte, entschied ich mich doch, über die offene See zu fahren. Hier bin ich bei 15 Knoten bis 20 Knoten halbem Wind mit guter Geschwindigkeit in Richtung Kristiansand gekommen.
In Kristiansand zeigte sich der Yachthafen, der vor zwei bis drei Wochen, als ich hier schon mal durchgekommen bin, proppevoll, weitgehend leer. Die Saison scheint hier tatsächlich schon zu Ende zu sein, obwohl es erst Anfang August ist. Da die Wettervorhersage für den nächsten Tag nicht wirklich gut war, entschied ich mich, einen weiteren Tag hier zu verbringen und dieses Mal in das Kunstsilo zu gehen. Ein modernes Museum für skandinavische Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts.
Ich bin am nächsten Morgen dann auch dahin gegangen und war begeistert. Ein wunderbares Museum. Kunstsilo heißt es deshalb, weil das Gebäude aus einem alten Silo im Hafen geschnitzt wurde. Großartig! Nach dem Museumsbesuch bin ich dann noch auf dem Dach des Kunstsilos ins Café gegangen und habe bei einem Kaffee und einem Stück Kuchen die wunderbare Aussicht über die umgebende Bucht genossen.














