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30. Juli 2026

Flucht nach Süden, der Sonne entgegen

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Nachdem ich aufgrund der schlechten Wetterprognose entschieden hatte, den Rückweg nach Süden anzutreten, zeigte die Routenplanung, dass ich doch schon ganz schön weit nach Norden gekommen war. Ich nahm morgens die erste Brücke um 10:00 Uhr und machte mich auf den Weg nach Süden. Der Wind war leider schwach und aus der falschen Richtung, und es regnete dauernd. Also vorzugsweise mit dem Motor- und unterwegs. Im Laufe der Zeit nahmen die Nebel immer weiter zu, sodass ich teilweise nur Sichtweiten von 200 bis 300 m hatte. Mit dem neuen Orica Navigationssystem mit integriertem AIS war es aber möglich, eine einigermaßen sichere Tour zu absolvieren. Die grossen Schiffe, die ich nicht sehen konnte, waren auf dem AIS verzeichnet. Kleine Schiffe, Motorboote, Segelboote, die kein AIS hatten, habe ich dann doch noch rechtzeitig gesehen.

Auch ist die Möglichkeit, meine Selbststeueranlage mit dem ORCA zu verbinden und eine automatische Wegepunktnavigation durchführen zu lassen, die aus dem Routing des Orca abgeleitet wird ist extrem angenehm. Man darf sich nicht 100 % darauf verlassen. Gerade in engen Stellen oder wenn Gegenverkehr ist, muss man die Pinne wieder selber in die Hand nehmen, aber auf unkomplizierten Passagen fährt das Schiff von ganz alleine in die richtige Richtung.

Ich fuhr bei schlechter Sicht in der Kombination von Segeln und Motoren bis nach Langevag (Bømlo Batlaug). Das war eine Strecke von etwas über 50 Seemeilen, und ich bin froh, sie so zügig absolviert zu haben.


Am nächsten Tag ging es über die berüchtigte Sletta weiter in Richtung Süden. Die Sletta ist ein Seegebiet nördlich von Haugesund mit vielen untiefen, Steinen knapp unter der Wasseroberfläche, verrückten Strömungen und sehr unangenehmen Wellen. Als ich morgens wach wurde, ging kein Hauch Wind. Ich nutzte die Chance, unter Motor möglichst weit zu kommen. Es hat funktioniert. Der Wind setzte erst in Höhe Haugesund ein. Hier konnte ich dann zum Teil unter Segeln, zum Teil unter Maschine, wieder in geschützte Gewässer hinter der äußeren Schärenreihe einbiegen.

Wettermäßig war es das Gleiche Spiel wie am Tag zuvor. In Haugesund selber nur ein bisschen Regen, aber kein Nebel, sodass ich eins der größten Kreuzfahrtschiffe sehen konnte, was mir auf der gesamten Reise bisher untergekommen ist. Ich musste auf dem gesetzten Kurs auch direkt am Bug dieses Kreuzfahrtschiffs vorbei fahren. So einen Bug möchte ich nur sehen, wenn das Schiff fest vertäut im Hafen liegt.


Im weiteren Verlauf trübte es jedoch wieder ein, und andere interessante Schiffe, wie z. B. ein paar Gastanker, konnte ich nur schemenhaft im Nebel erkennen. Auch heute wollte ich wieder möglichst viel Strecke machen, sodass ich den Kurs bis nach Skudeneshamn setze, den Hafen, den ich früher schon beschrieben habe und den ich in bester Erinnerung habe.

Und nach 58 Meilen bin ich tatsächlich gut in dem Hafen angekommen. Kaum zu glauben, der Himmel riss auf und es zeigte sich etwas Sonne.


Auch habe ich das Pärchen, das ich beim letzten Mal hier im Hafen getroffen habe, wieder getroffen. Sie sind jetzt auf dem Rückweg nach Stavanger und hatten ihre Eltern und Großeltern in den Hafen eingeladen, um dort mit ihnen zu essen. Alles Norweger, die eigentlich um die Ecke wohnen, aber noch nie in diesem netten kleinen Hafenstädtchen waren und denen es sehr gut gefallen hat .


Auch am nächsten Morgen bin ich wieder sehr früh aufgebrochen, um weiter nach Süden zu kommen. Diesmal bei ziemlich akzeptablen Segelbedingungen mit wenig Regen und wenig Nebel. Ich bin abends bis Egernsund gekommen. Auch diesen Hafen hatte ich schon auf der Hinreise besucht und als nicht besonders bemerkenswert beschrieben. Jetzt gefiel er mir doch sehr gut, weil auch hier wieder Sonne war und ich einen angenehmen Liegeplatz bekam.

Jetzt konnte ich ein bisschen das Tempo herausnehmen. Ich bin dennoch am nächsten Morgen relativ früh losgesegelt, da der Wind im Laufe des Tages auf Süd drehen und ich dann gegebenenfalls um das Kap Lindesnäs herum kreuzen muss, Aber es kam anders: Der Wind hatte ungefähr die doppelte Stärke des Angesagten und kam nur anfangs aus der vorhergesagten Richtung. Dann zogen einige größere Regenwolken, und dann auch massive Gewitterwolken. Gewitter habe ich keine gesehen, aber mit direktem Kurs auf mich kam ein Regenschauer unter einer Wolke, an deren Nordzipfel eine Wasserhose war. Die brach wieder in sich zusammen, um dann gleich deutlich dichter an mir erneut aufzutauchen. Ich nahm alle Segel weg, drehte den Motor auf Vollgas und setzte Kurs in Richtung Norden, um der Wasserhose zu entgehen.


Ich hatte doch ein bisschen Schiss. Nachdem ich vor einigen Jahren bei der Überführung eines Schiffes in die Türkei ein Feld mit mehreren Wasserhosen gesehen hatte, habe ich mich dazu belesen und gelernt, dass in diesen Wasserhosen Windgeschwindigkeiten von bis zu 160 km/h auftauchen. Das wollte ich nicht wirklich haben. Nachdem die große Wolke dann in Richtung Land abgedriftet ist, habe ich sie erst unter Motor und dann unter Segeln großzügig umfahren. Bei allen anderen Wolken, die im Laufe des Tages auf mich zukamen, guckte ich genau, ob sie auch irgendwelche Wasserhosen ausbildeten. War aber, Gott sei Dank, nicht der Fall. Ich landete in einem süßen kleinen Hafen, Kirkeham, auf der Insel Hidra.


Ich machte an einem Gästesteg direkt vor einem Restaurant fest und freute mich, heil angekommen zu sein. Auch war es sonnig und die Leute im Restaurant sehr nett, sodass ich gleich einen Platz für den Abend bestellte, nachdem mir gesagt wurde, dies sei sicher, da das Restaurant gut besucht sei. Ich habe Mules Frites gegessen, so gut wie lange nicht, denn die Muscheln wurden nicht in einem Weißweinsud gegart, sondern in einem Weißweinsud mit etwas Sahne und Chili gekocht. Großartige Idee. Das muss ich mal nachkochen.


Vom Hafen aus sieht man einen Hügel oder Berg, auf dem früher eine weitere Festung des Atlantikwalls war. Ich entschied mich daher, nach dem Abendessen gut gesättigt, hier noch einen Tag zu verbringen und morgen auf den Fels zu klettern. Heute war es dann soweit. Nachdem ich ausführlich gefrühstückt hatte, bin ich losgewandert und habe die Festung und alle Beobachtungsposten erklommen. Es war eine nette, kleine Wanderung mit wunderbaren Aussichten.


Nach der Wanderung habe ich noch eine neue Form des Pop-up-Event kennengelernt: ein Pop-up-Café. Ein witziger Mann aus Stavanger in Kapritänsdress hatte in seinem Bootshaus ein spontanes Kaffee organisiert. Es gab Bier, Kaffee, Kuchen und Krabbenbrötchen, die ein Freund gemacht hat. Der halbe Ort war anwesend. Ich habe mich dazu gesellt und mich lange mit dem Mann unterhalten. Sehr angenehm.


Abends habe ich noch mal in dem Restaurant gegessen. Fisch und Chips, Die leider deutlich schlechter waren als die Muscheln gestern. Die Fritten waren versalzen, der Fisch war zu dick paniert, und die Darreichungsform war auch nicht geeignet, das Essen unkompliziert genießen zu können.

Morgen koche ich wieder selber.

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