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20. Juni 2026

Strömstad, Midsommaren und Gewitter

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Nachdem ich gut in Strömstadt angekommen bin, diesmal sogar ohne große Komplikationen an einem Fingersteg festmachen konnte, wurde ich erstmal von dem Handtaschengroßen Hund meines Nachbarn zusammengebellt. Laut meinem Nachbarn sei der Hund aber nicht friedlich, sondern eher ein Schisser, der immer bellt, wenn er Angst hat, und das ist oft der Fall.


Mein Nachbar ist ein netter, junger italienischer Programmierer, der sich vor einigen Wochen eine alte Albin Vega in Norwegen gekauft hat, die er hier ein bisschen auf Vordermann bringen will und dann mit seiner Freundin, seiner sechsjährigen Tochter und dem Hund über Kiel und dann die Binnenwege nach Frankreich und später nach Spanien segeln möchte.

Das Schiff ist in einem eher mäßigen Allgemeinzustand, und mein Nachbar handwerklich in meinen Augen vollkommen unbedarft. Ich habe ihm mit seinem Bugbeschlag ein wenig geholfen, aber hege grobe Zweifel, dass er das Schiff in einen ausreichenden Zustand bringt, um als unerfahrener Segler mit gesamter Familie nach Spanien aufzubrechen. Aber ich weiß nicht, ob ich mich da irgendwie einmischen soll. Ich hoffe, er schafft es und bringt sich nicht um.


Auf der anderen Seite des Stecks liegt ein netter Pole mit seinem riesengroßen Stahlschiff, in dem er auch wohnt, während er auch hier an allen Ecken bastelt. Der Motor muss erneuert werden, die Warmwasseranlage und der Rost scheinen auch ein gewisses Problem zu sein, aber er ist fleißig dabei und handwerklich deutlich geschickter als mein italienischer Nachbar. Dennoch ist es wohl ein riesiges Projekt.


Was bin ich froh, dass mein Schiff in so einem guten und unkomplizierten Zustand ist.


Gestern haben die Schweden Midsommar gefeiert. Mit der Fähre kann man von Strömstad aus auf die sogenannten Koster Inseln fahren, die südlich und nördlich liegen, wo am Nachmittag eine typische schwedische Midsommarfeier stattfinden sollte. Ich habe mir ein Fährticket gebucht und bin mit meinem Radl dahin gefahren und habe mir das angeschaut.


Vorher habe ich ein wunderbares Café auf der Nordkoster Insel entdeckt, wo ich noch einen leckeren Kaffee und eine Zimt-Schnecke bekommen habe. Die Midsommarfeier war dann schon eindrucksvoll anders, als ich es aus Deutschland kenne. Auf der Wiese unterhalb des Leuchtturms haben sich nach und nach immer mehr Schweden versammelt, meistens in Familien- und Freundeskreisen, viele Frauen in langen hellen Kleidern mit Blumenkränzen im Haar, genauso wie die jungen Kinder und auch manche Männer. Als die Feier losgegangen ist, hat eine Moderatorin und Sängerin schwedische Lieder vorgetragen, zu denen die Leute dann mitsingend um den schwedischen Midsommarbaum getanzt sind.


Das Ganze hat schon etwas mit einem ausgeprägten Nationalgefühl und Zusammengehörigkeitsgefühl zu tun, ohne in irgendeiner Weise völkisch zu wirken, wie das wohl bei manchen deutschen Sonnenwindfeiern der Fall sein sollte. Hier haben die die typisch blonden Schweden mit Menschen aus Afrika, Asien und Indien zusammen um den Midsommerbaum getanzt.


Heute am Samstag nach Midsommar ist die Stadt wie ausgestorben. Die Schweden sind in ihren Ferienhäusern oder liegen noch ein bisschen sauer von den alkoholischen Midsommerfeiern. Ich habe in einem super leckeren Café ein leckeres Krabbenbrötchen zum Frühstück gegessen und den stärksten Cappuccino, den ich je in meinem Leben bekommen habe, getrunken.


Lossegeln wollte ich nicht, da eine Gewitterfront angekündigt war, die im Laufe des Nachmittags dann auch gekommen ist.


Heute werde ich noch die digitale Zollerklärung für den norwegischen Zoll und meine Alkoholvorräte machen, wahrscheinlich ein bisschen extra Zoll zahlen und morgen in Richtung Norwegen aufbrechen.

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